Analogue Audio Association

Verein zur Erhaltung und Förderung der analogen Musikaufnahme und -wiedergabe e.V.

Historie

Wie alles begann

Mit "es war einmal" beginnen die meisten Märchen, diese Geschichte ist jedoch kein Märchen, denn unsere Träume wurden wahr, wenigstens zum Teil...

Es begann alles am Abbautag der High End 1990 in Frankfurt, an einem heißen Montag im August. Da saßen wir nun, Wilfried Zahn, A. J. van den Hul und ich, total gefrustet ob der nicht mehr zu ignorierenden Übermacht der Digitaltechnik, die unser geliebtes Kind - die Schallplatte - niederzuwalzen drohte, und beschlossen: so kann es nicht mehr weitergehen, dagegen müssen wir etwas unternehmen! Uns wurde bald klar, daß jeder für sich alleine wenig ausrichten kann, schon gar nicht gegen die kaum aufzuhaltende Verbreitung der CD. Um den Niedergang der Schallplatte verhindern zu können, müssten sich viele Gleichgesinnte zusammenschließen. Und damit war die Idee zur Gründung einer Organisation von Anhängern analoger Musikwiedergabe geboren.

Nachdem noch mehr engagierte Mitstreiter gefunden waren, gründeten wir am 18. November 1990 in Mülheim unseren Verein, die Analogue Audio Association. Sieben Gründungsmitglieder fanden sich zusammen: Branko Glisovic, A. J. van den Hul, Dusan Klimo, Peter Mühlmeyer, Hans Paffenholz, Heinz-Dieter Wilmsen und Wilfried Zahn. Anfang 1991 wurde der Verein förmlich ins Vereinsregister eingetragen.
Bei unserer ersten Hauptversammlung, im Mai 1991 in Worms, waren wir nur aufgrund von Mundpropaganda schon auf rund 100 Mitglieder gewachsen! Wir hatten es uns zwar zur Aufgabe gestellt, mit möglichst vielen Mitgliedern den Untergang der Schallplatte zu verhindern, doch leider hatten wir schnell feststellen müssen, daß uns einfach noch viele Leute innerhalb des Vereines dazu fehlten und wir - was noch schlimmer war - nicht über genügend finanzielle Mittel verfügten, um schnell und effektiv gegen die Digitallobby vorgehen zu können. Von der Fachpresse, die sehr schnell, aus schnöden wirtschaftlichen Interessen, auf die Digitalschiene umschwenkte, wurden wir im Stich gelassen. Die Analogtechnik wurde damals schon als Lückenbüßer für Sommerloch und für die Weihnachtsausgabe als Exot eingestuft. Auf dieser ersten Hauptversammlung beschlossen wir bereits, ein Presseorgan - unsere analog aktuell - auf die Beine zu stellen, die dann auch tatsächlich recht bald, zwar zunächst nur in kopierter Version, (in der ungeheuren Erstauf lage von 80 Stück!) erschien.

Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Kontakte zu ausländischen Analog-Zirkeln, mit dem Ziel, die AAA als Dachorganisation europaweit zu etablieren. Wir riefen Händlerworkshops und Treffen von Analogfreunden ins Leben. 1994 wagten wir es sogar erstmals, an die High End in Frankfurt zu gehen um dort uns und unsere Ideen vorzustellen, die ersten Schallplatten aus eigener Produktion (Edition PHÖNIX) zu präsentieren und neue Mitglieder zu finden.
Nicht alle in uns gesetzten Erwartungen, vor allem hinsichtlich der Aktivierung der Schallplattenindustrie, konnten erfüllt werden. Die Schallplattenindustrie orientierte sich ausschließlich an ihren wirtschaftlichen Interessen (und das tut sie auch heute noch). Einige Mitglieder suchten aus diesem Grund nach Alternativen außerhalb unseres Tätigkeitsbereiches. Sie machten uns Vorwürfe, zu wenig gegen die übermächtige Digitalindustrie getan zu haben (keine Demonstrationen vor dem Bundestag, keine Boykottaufrufe gegen die CD produzierenden Firmen etc.).
Wir haben jedoch gelernt, daß unsere Gemeinschaft, der Verein, nur durch geduldige fleißige Kleinarbeit etwas erreichen kann: mit Vereinspublikationen, Händlermessen, Analog-Foren etc. - und mit viel Überzeugungsarbeit. Das war für uns der einzige Weg. Unsere "Kernmannschaft" unterstützte ständig und unermüdlich den Verein. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Mittlerweile ist unser Verein auf eine größere Mitgliederzahl angewachsen, doch leider beschränkt sich die Zahl der Aktiven immer noch auf ein paar Dutzend engagierter Mitstreiter. Der Großteil unserer Mitglieder hat sich entschlossen, dem Verein zwar anzugehören, jedoch nicht aktiv zu werden, was sehr schade ist, denn einige von Euch, liebe Vereinsmitglieder, haben bestimmt gute Ideen, für die wir dankbar wären, um unsere Arbeit noch effektiver gestalten zu können.
Die erste "richtige" Ausgabe unserer Vereinszeitschrift analog aktuell erschien im Frühjahr 1993. Einige Chefredakteure (und unser Dank sei Euch gewiß!), die sich bis zum Äußersten Ihrer Kraft und machbaren Zeit verausgabten, lösten sich mit der Zeit ab und die Zeitung entwickelte sich bis heute auf ihr sehr hohes Niveau - für eine "Vereinszeitschrift" doch nicht schlecht, oder? Gernot Weiser ist heute der Chefredakteur, bei dem sich unser Blatt in den allerbesten Händen befindet.

Der Handel hatte sich inzwischen ziemlich von der Schallplatte abgewandt und stürzte sich geradezu voll auf die CD. Tatsächlich waren wir in den frühen 90ern die ersten, die wieder anfingen, Schallplatten in Eigenregie zu produzieren. Andere Firmen zogen nach und produzieren bis heute analoge Tonträger - unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten, was natürlich nicht verwerflich ist. Wir als Verein tun und können dies auch nur aus idealistischen Gesichtspunkten. Aus diesem Grunde konnten und können wir als Verein mit unserem finanziellem und vertriebsmäßigem Hintergrund, nur eine begrenzte Anzahl von LP-Titeln auflegen und deswegen geschmacksmäßig nur einen kleinen Teil der Musikfreunde damit befriedigen. Unsere LP-Produktionen sind untrennbar mit dem Namen Wilfried Zahn verbunden. Wilfried hat es möglich gemacht, durch seine Betreuung bei den Aufnahmen, den Überspielungen und durch die Überwachung der Produktion, die hohe Qualität unserer Produkte zu sichern. Mittlerweile befinden sich 21 Titel in der Edition PHÖNIX und wir haben uns an weiteren Produktionen beteiligt, sei es als Sponsor oder als Berater bei der Produktion.
Im Laufe der 10 Jahre hat sich innerhalb des Vereins ein "harter Kern" herausgebildet und neue Ideen kamen dazu. Aus einer lockeren Gesprächsrunde des Vorstandes und einiger Redaktionsmitgliedern, bildete sich vor ca. drei Jahren die Arbeitsgruppe CIA (Corporate Identity of Analogue) heraus. In dieser "Denkfabrik" haben sich mittlerweile vier Arbeitsgruppen etabliert, die autonom ihre Aufgaben erfüllen. Das Internet ermöglichte es uns, das Erscheinungsbild des Vereines nach außen effizienter zu gestalten. Unsere Website (vielen Dank unserem Webmaster Ansgar Hecker!) erfreut sich mittlerweile eines regen Besucherzuspruches (250000 Hits und 17000 Sessions pro Monat, Tendenz steigend). Die Arbeitsgruppe LP-Börsen besteht inzwischen aus 4 Teams, die regional tätig sind. Unter der Leitung von Klaus. Röder leisten sie Großes beim Vermitteln unserer Ideen in der breiten Öffentlichkeit.

An dieser Stelle möchte ich alle Mitgliedern ansprechen. Sei es jene, die zwar "passiv", jedoch die ganze Zeit treu zu unserer Organisation standen, aber natürlich am meisten jene Mithelfer, die uns bei den zahlreichen Aktionen unseres Vereines in den vergangenen 10 Jahren aktiv unterstützten. Dafür, daß Ihr Eure Zeit, Eure Ideen und Eure Energie mit uns geteilt habt, gebührt Euch mein herzlichster Dank! Das Ringen um das Fortbestehen der analogen Musikwiedergabe ist ein täglicher Prozeß, der uns noch Jahre, Jahrzehnte beschäftigen wird. Jeder Tag bringt neue Aufgaben und Herausforderungen, die zu bewältigen sind. Das können wir nur mit vereinten Kräften schaffen! Ich träume davon, im Laufe der Zeit von der allein technisch orientierten Betrachtungsweise zu unseren ursprünglichen Zielen, sprich einer natürlichen Musikwiedergabe mittels Analogtechnik zu kommen. Unser Name möge auch weiterhin unser Credo stellen: Analogue Audio Association, ein Verein zur Erhaltung und Förderung analoger Musikwiedergabe. Ich wünsche mir, daß der Vorsitzende, der in 10 Jahren wieder solch einen Rückblick schreiben darf, nur Positives zu berichten hat. Dazu möchte ich mit allen mir zu Verfügung stehenden Kräften beitragen. Hierbei brauche ich aber auch Euch, liebe Mitglieder, ich freue mich, die letzten Jahre mit Euch verbracht zu haben.

Mit den herzlichsten Grüßen aus der Tiefe der schwarzen Rille!

Euer
Dusan Klimo
Ehemaliger AAA-Vorstand und "Überzeugungstäter" in Sachen analoger Musikwiedergabe

 

Wie es weiterging

Rainer BergmannDusan Klimo, mein Vorgänger an der Spitze der Analogue Audio Association
e.V., entschloss sich im Jahre 2005, sich im darauf folgenden Jahr nicht mehr zur Wiederwahl aufstellen zu lassen. Eine neue Generation sollte sich den Aufgaben stellen, die AAA fit für die Zukunft zu machen. Da auch der stellvertretende Vorsitzende, Peter Schappach, und der Kassenwart, Heinz-Dieter Wilmsen, keine weitere 5-Jahres-Periode mehr im Amt bleiben wollten, begann nun die Zeit bis zur nächsten Wahl ein neues Team zu finden, dass sich der Herausforderung stellen wollte.

Bei der Jahreshauptversammlung 2006 in Mannheim wurden, neben mir als neuem Vorsitzenden, Christoph Held zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden und Tom Schmitz zum neuen Kassenwart gewählt. Norbert Bürger, der Schriftführer aus dem alten Vorstand, komplettierte erneut unser Team.
Die neuen Aufgaben waren gewaltig, aber zusammen geht bekanntlich alles leichter, so auch die Bewältigung der anstehenden Herausforderungen. 

Aus praktischen Erwägungen heraus erfolgte erst einmal der Umzug der Geschäftsstelle von Reutlingen nach Oberhausen. Das war erst mal wie Weihnachten – ständig kamen neue Pakete. Sich neu in die Materie einzuarbeiten, zumal auch mit einer neuen Assistentin, war nicht ohne, aber nach und nach lief die tägliche Arbeit immer reibungsloser.

Das erste wirklich große Projekt ergab sich aus der Überlegung, dass die Grundlage aller analoger Tonträger nicht die Schallplatte ist – sie ist das Endprodukt – sondern das analoge Tonband, das im Tonstudio entsteht. Da die Erhaltung auch dieses analogen Tonträgers explizit in der Vereinssatzung steht, gingen wir also an die Aufgabe, hier etwas anzubieten, das ein Alleinstellungsmerkmal nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt hat (von den USA einmal abgesehen): analoge Tonbänder in Masterbandqualität. Die ersten Schritte reichten bereits in die Zeit Dusan Klimos zurück, doch nun erblickte ein konkretes Produkt das Licht der Welt. In vertrauensvoller und freundschaftlicher Zusammenarbeit mit dem audiophilen Wiener Jazzlabel Quinton konnten wir im Jahre 2007 schließlich 6 Titel aus deren Repertoire anbieten. Durch Vorführungen auf Hifi-Messen in Deutschland, Österreich, Italien und den USA erregten wir ein immenses, weltweites Interesse. Gerade in den USA, wo es ein ähnliches Projekt gibt, gab es ganz besonders große Resonanz. So konnten wir die AAA weltweit bekannt machen, Kunden und Vereinsmitglieder über die Grenzen Europas hinaus gewinnen und, ja, auch Geld verdienen. Geld, das für andere wichtige Zukunftsprojekt benötigt wurde und immer noch wird. Jetzt, Anfang 2009, sind die vorhandenen Titel so gut wie ausverkauft und wir haben die Anzahl der Lizenzen noch einmal aufgestockt und um 3 weitere Titel ergänzt.

Ein weiteres Projekt betraf unseren Auftritt im Internet. Hier war eine Modernisierung aber auch personelle Erneuerung im Bereich unseres Internet-Forums notwendig geworden. Bedingt durch den enormen und permanent wachsenden Zuspruch der User, musste die Hard- und Software erneuert werden, was Aufgabe des neuen Webmasters Michael Bentrup war. Auch das vorhandene Moderatorenteam wurde von den Usern nicht mehr so angenommen, wie es notwendig ist, zumal 2 Moderatoren nun gleichzeitig im Vorstand tätig waren. Glücklicherweise fand sich schnell ein hervorragendes, neues Team zusammen, das diese Zeit aufwändige und Nerven kostende Aufgabe übernahm.

So ein modernisiertes Forum gehört natürlich in ein adäquates Umfeld. Und da sah es ziemlich alt aus. Im wahrsten Sinne veraltet bot sich unsere Website dar. Ohne moderne Struktur, optisch altbacken, ohne Bezug zum erneuerten und frischen Corporate Design. Das musste völlig überarbeitet werden. Jetzt, im Mai 2009, präsentiert sich nun auch unser Internetauftritt frisch, dynamisch und modern.

So sollte auch unser Printmedium wirken. Unser neuer Chefredakteur, Klaus von der Gathen, und sein hochkarätiges Team aus altbewährten Vereinskollegen und neuen Autoren haben in kürzester Zeit geschafft, was die Vereinsmitglieder lange ersehnt, aber nie zuvor bekommen haben: 4 Ausgaben, die pünktlich im Briefkasten liegen. Dabei gelang ihm das Kunststück, den Inhalt sowohl qualitativ hochwertig als auch für die unterschiedlichsten Interessen der Mitglieder interessant zu gestalten.

Das jetzt der lange vernachlässigte Bereich Bandmaschinen zum ersten Mal etwas präsenter wurde, gefiel nicht jedem Vereinsmitglied gleich gut, aber auch das ist nun einmal ein wichtiger Bereich der analogen Musikwiedergabe. Mit Ausgabe 1/2008 wurde dann zugleich das Erscheinungsbild modernisiert und der Titel geändert in „analog“ – kurz, knapp, präzise.

Etwas mehr Pepp musste dann noch in unsere Hausmesse: das Analog-Forum. In einer Zeit, in der immer mehr Hifi-Messen um die Gunst der Aussteller und Besucher buhlen, unser ehemals neuartiges Konzept der Hotelmesse von Anderen nachgeahmt wird und das Interesse an hochwertigem Hifi tatsächlich oder auch nur scheinbar immer mehr nachlässt, musste auch hier etwas passieren. Hans-Günther Beer und Reimund Gidde präsentierten schließlich im Frühjahr 2008 ein überarbeitetes Konzept, das die zahlreichen Anregungen, die von allen Seiten an uns herangetragen wurden, einband, aber auch die Kritik und die nicht immer so offensichtlichen Mängel berücksichtigte. Im Herbst 2008 wurde, soweit praktisch machbar, das Konzept mit großem Erfolg in die Praxis umgesetzt. Frisch, mit zahlreichen interessanten Workshops und Aktivitäten in einer gleichzeitig professionellen wie familiären Wohlfühlatmosphäre erlebten unsere Gäste das 2-tägige Event in Krefeld am malerischen Niederrhein.

Was wäre die Analogue Audio Association jedoch ohne Schallplatten? Nach längerer Wartezeit und sorgfältigen Überlegungen, was wir den Mitgliedern denn als neue LP präsentieren könnten, war es 2009 endlich soweit. Die lang ersehnte EPH-23 ging an den Start. Nachdem sich ein paar eigene Aufnahmen leider nicht für eine LP eigneten und neue Klassik-Reissues dank guter Versorgung durch andere Anbieter überflüssig waren, entschlossen wir uns dazu, die ebenso hochwertige wie musikalisch eingängige und international ausgezeichnete Quinton-Produktion „Gauchos“ von Renato Borghetti als LP aufzulegen. Dadurch bot sich erstmals die Möglichkeit für den interessierten Musikliebhaber, das selbe Material von Mastertape-Kopie, LP und CD zu hören. Die wichtigsten Hausaufgaben hat das Team „AAA-The next generation“ abgeliefert.

Spucken wir in die Hände und packen die nächsten Aufgaben an. Glückauf !

Rainer Bergmann
1. Vorsitzender